Ich war letzten Samstag auf einem Bracket 3 Turnier. Es war mein zweites Turnier dieser Art und ich hatte wieder eine Menge Spaß. Das heißt, ich hatte zu einem großen Teil viel Spaß, doch es gab ein Spiel, was mich nachhaltig beschäftigt hat. Ich habe dieses Spiel verloren, was natürlich zum Teil daran lag, dass ich etwas Pech hatte. Doch es lag zu einem größeren Teil daran (zumindest in meinem Empfinden), dass Lae’zel nicht gut gespielt hat.

Mir ist bewusst, dass das eine sehr gewagte Aussage ist. Da ich am Spiel beteiligt war, ist meine Sicht wahrscheinlich nicht objektiv. Doch ich finde die Situation nach wie vor so spannend, dass ich sie euch nicht vorenthalten will. Und ich bin sehr gespannt, ob ihr meinen Punkt nachher besser verstehen könnt oder sogar teilt. Denn meiner Meinung nach war das Problem, dass Lae’zel nicht erkannt hat, dass Gegner in Commander nicht immer Feinde sind.

Die Geschichte

Um die Geschichte zu erzählen, muss ich ein wenig ausholen. Doch ich versuche mich kurz zu fassen, ohne dabei wichtige Aspekte zu kürzen. Ich habe zu diesem Turnier ein Heliod, the Radiant Dawn Deck gebaut. Wenn euch die Liste interessiert findet ihr sie hier. In dem Deck geht es darum, dass alle Spieler*innen viele Karten ziehen, ich einen Psychosis Crawler Effekt finde und damit alle Gegner*innen ausschalte. Die Rückseite von Heliod sorgt dafür, dass all meine Spells für jede Karte, die meine Gegner*innen gezogen haben, um ein generisches Mana günstiger werden. Es ist also eine Art Storm Deck, das allerdings ein bisschen Set Up und vor allem den Commander braucht.

Mit mir am Tisch saßen Lae’zel, Vlaakith’s Champion mit dem Inspiring Leader Background auf der eins, danach kam Pantlaza, Sun-Favored, dann The Wandering Minstrel und zum Schluss ich. Schon ganz am Anfang habe ich mir vor allem Sorgen um den Wandering Minstrel gemacht. Denn in meinem Deck gab es sehr wenig Wege, mit Ländern zu interagieren. Es stellte sich auch sehr schnell heraus, dass das Deck mit einem Maze’s End gewinnen wollte. Da sind nicht nur bei mir die Alarmglocken angegangen.

Lae’zel hat einen sehr starken Mono-weißen Start hingelegt. Im ersten Zug lag eine Land Tax, im zweiten Zug ein Weathered Wayfarer. Als Land Drop wurde ein Bounce Land gespielt, was dafür gesorgt hat, dass ab Zug drei die Tax und der Wayfarer online gewesen sind. Außerdem hat der Minstrel ebenfalls gerammt, was den Catch Up Ramp noch weiter unterstützt hat. Der erste Tutor vom Wayfarer wurde genutzt, um ein Lotus Field zu suchen. Die zweite Aktivierung brachte ein Wasteland zutage, was eine ziemlich gute Antwort für das Maze’s End gewesen wäre. Doch Lae’zel hat sich dazu entschieden das Wasteland zu nutzen um ein Field of the Dead zu zerstören, was ebenfalls ein valides Ziel gewesen ist.

Pantlaza und ich haben in der Zwischenzeit unsere Boards aufgebaut. Ich hatte meinen Commander und einen Lore Broker im Spiel, bei Pantlaza lagen einige 5/5 Dinos. Und dann kam der Move, der uns in meinen Augen das Spiel verloren hat. Denn Lae’zel hat in ihrem fünften Zug einen Board Wipe gezündet. Damit waren sowohl Pantlaza als auch ich zurück in der Steinzeit, doch der Wandering Minstrel hat nur ein paar Zombie Token verloren. Zu diesem Zeitpunkt lagen bereits sieben Gates auf seinem Board und er hat fünf Karten auf der Hand gehabt.

Ich hatte im nächsten Zug die Wahl, ob ich meinen Commander wieder ausspielen soll, oder ob ich vorher etwas Set Up aufbaue. Ich habe mich für Letzteres entschieden und eine Temple Bell und einen Otherworld Atlas gespielt. Mein Gedanke dahinter war, dass ich so unserem “Team” ein paar Karten ziehen kann, damit wir vielleicht noch einen Weg finden, den Minstrel aufzuhalten. Doch es hat nicht sollen sein. Denn Lae’zel hat in ihrem Zug einen Board Wipe für Artefakte und Enchantements gespielt. Das hat mich komplett aus dem Spiel genommen und das war auch der Grund, warum ich meine beiden Artefakte nicht noch aktiviert habe, bevor sie im Friedhof gelandet sind.


Der Board Wipe wurde damit gerechtfertigt, dass der Minstrel so ein Amulet of Vigor verliert. Doch das war in meinen Augen ein sehr schwaches Argument, da der Commander denselben Effekt wie das Amulet. Als wir in seinem Zug waren, spielt der Wandering Minstrel erst seinen Commander und dann das letzte Stück vom Puzzle, das Maze’s End. Er hat das Maze’s End aktiviert, sich sein zehntes Gate aus der Bibliothek gesucht und das Spiel gewonnen. Pantlaza hatte zwar noch ein Swords to Plowshares auf der Hand, doch das hat nichts geändert. Land Drops benutzen nicht den Stack, es gibt also keine Möglichkeit zu reagieren, bevor das Maze’s End auf den Tisch kommt. Erst wenn es aktiviert wird, bekommen wir wieder Priorität und da ist es schon zu spät. 

Ich hab dem Wandering Minstrel zu seinem Sieg gratuliert, doch Lae’zel war absolut nicht zufrieden. Sie musste lang und breit erklären, dass der Minstrel das System des Turniers ausgenutzt und nur deshalb gewonnen hat. Das hat mir ganz und gar nicht in den Kram gepasst, weil  das Deck des Minstrels in meinen Augen nicht unfair war. Es war der stringenteste Game Plan den man sich vorstellen kann und auch wenn er viele Non-Basic-Tutoren gespielt hat, wäre er sehr leicht aufhaltbar gewesen. Das Problem war nicht der Minstrel, sondern die Art, wie Lae’zel gegen ihn gespielt hat. Doch das wollte sie nicht hören und hat fröhlich weiter argumentiert, wie unfair das Deck sei. Da bin ich ausgestiegen und habe mich der Auslage mit dem MtG Bulk gewidmet.

Meine Einschätzung

Auch wenn Lae’zel es nicht hören will, werde ich hier einmal kurz darlegen, warum ich das Problem nicht beim Minstrel gesehen habe. Commander ist komplex und so wie das Deck gebaut gewesen ist, gehe ich davon aus, dass Lae’zel eine kompetente Spieler*in ist. Ich habe allerdings den Eindruck, dass sie vor allem in 1vs1 Formaten zuhause ist. Denn sie hat das Spiel nicht als vier Personen Free for all gesehen, sondern als 1vs3. Wenn man Commander so sieht, dass alle Gegner*innen zu allen Zeiten Feinde am Tisch sind, dann ergibt es Sinn, dass man versucht alle gleichzeitig in Schach zu halten. Nur so lässt kann ich mir den Board Wipe in der fünften Runde erklären. Lae’zel hat nichts verloren und ihre Gegner*innen ihr gesamtes Set Up. Doch in unserem Spiel war die Dynamik eine andere.

Es war klar, dass der Wandering Minstrel eine Win Con verfolgt, mit der nur sehr schwer interagiert werden kann. Damit war Lae’zel nicht alleine, denn weder Pantlaza noch ich hatten viele Antworten auf Länder in unseren Deck. Was wir aber hatten, war eine Board Präsenz, mit der wir den Wandering Minstrel unter Druck setzen konnten. Das Field of the Dead war bereits zerstört und der Minstrel hatte nur noch drei Blocker. Pantlaza wäre wahrscheinlich alleine in der Lage gewesen, den Minstrel in zwei oder drei Zügen aus dem Spiel zu nehmen. Wir drei hatten zu diesem Zeitpunkt einen gemeinsamen Feind, waren also eher Verbündete als Feinde.


Schaut man sich jetzt den Board Wipe an sieht das Ergebnis so aus: Team Minstrel verliert drei 2/2 Zombies, Team “Der Rest” verliert 25 Power (aufgeteilt auf fünf Kreaturen) 4 Mana und eine Handkarte. Team Minstrel hat damit fast nichts verloren. Schlimmer noch, das Ganze hat ihm zwei Züge Zeit gekauft, in denen sein Lifetotal nicht bedroht wurde. Wenn man die Rechnung so aufstellt, kann man vielleicht nachvollziehen, warum mich dieser Board Wipe so stutzig gemacht hat. Zumal es Lae’zel nicht geschadet hätte, wenn sie mit dem Wipe gewartet hätte, bis der Minstrel keine Gefahr mehr gewesen ist.

Der zweite Wipe für Enchantements und Artefakte hat die Rechnung nur noch weiter zu “unseren” Ungunsten verschoben. Hätte ich meine Artefakte behalten, dann hätte unser “Team” in Summe drei Karten gezogen. Der Minstrel hingegen hätte nur eine zusätzliche Karte gesehen. Der Nutzen für die Allianz der Nicht-Minstrel-Spieler*innen wäre also wesentlich größer gewesen und hätte uns vielleicht genug Ressourcen gegeben, um das Spiel noch einmal zu drehen. Doch mit dem Board Wipe auf dem Stack haben sich meine Chancen zu gewinnen verflüchtigt. Darum habe ich keinen Sinn darin gesehen, meine Gegner*innen noch mit Karten zu versorgen. 

Das ist meine Sicht auf die Dinge und, wie bereits gesagt, mir ist bewusst, dass ich sie durch meine Brille betrachte. Ich weiß nicht, was Lae’zel noch auf der Hand oder im Deck hatte. Und ich finde es grundsätzlich schwierig, den Tisch und die Threats aus der Sicht einer anderen Spieler*in zu sehen. Doch in meinen Augen war der einzige Weg gegen das Maze’s End Player Removal, alles andere hätte unsere Niederlage nur hinausgezögert. 

Epilog

Es ist nicht das erste und wahrscheinlich nicht das letzte Mal, dass so eine Situation in einem Commander-Spiel aufkommt. Und auch wenn ich mich im Spiel etwas darüber geärgert habe, lebe ich eigentlich nach dem Mantra, dass man an seinen Mitspielenden nichts ändern kann und solche Gedanken deshalb verschwendete Zeit sind. Doch wenn sich diese Person nach dem Spiel hinstellt und die Gewinner*in darüber belehrt, wie unfair ihr Deck ist, dann fällt es mir schwer, ruhig zu bleiben. 

Der erste Grund dafür ist, dass wir auf einem Turnier gespielt haben. Es war ein Bracket 3 Turnier, aber es ging trotzdem um Preise. Die Regeln waren allen Personen vorher bekannt, inklusive eventueller Schlupflöcher und Strategien, die von den Zusatzregeln weniger eingeschränkt werden. Sich nach einer Runde zu beschweren, dass ein Deck “unfair” gewesen ist, ist meiner Meinung nach ein unsportliches Verhalten. Selbst wenn man in seinem tiefsten Inneren glaubt, dass man unfair behandelt wurde, ist direkt nach dem Spiel nicht der Moment, das kund zu tun. Da ist der Gewinner*in zu gratulieren und die Sache abzuhaken.


Und noch schlimmer finde ich, dass diese Person nicht ein einziges Mal überlegt hat, wo sie einen Fehler gemacht haben könnte. Man hätte das Ganze auch einfach als Lektion sehen können, oder zumindest als Gelegenheit etwas zu lernen. Sich fragen können, welche Entscheidungen im Nachhinein vielleicht nicht so gut gewesen sind. Denn letztlich kann man in jedem Fall nur das eigene Verhalten ändern. Den eigenen Frust zum Problem einer anderen Person zu machen ist auf jeden Fall keine Lösung. 

Doch mich würde interessieren, wie ihr die Geschichte seht. Könnt ihr das Verhalten von Lae’zel  vielleicht nachvollziehen? Bin am Ende doch ich das Problem gewesen? Schreibt mir gerne einen Kommentar, hier oder auf Instagram. Das würde mich nämlich brennend interessieren…

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