Der heutige Text ist ein kleiner Erfahrungsbericht und damit anders als die meisten anderen meiner Texte hier. In einem Game Store in Schleswig, dem Salty Cards, wurde vorletzten Samstag ein Commander Turnier veranstaltet. Und es war kein cEDH Turnier, wie es zu erwarten gewesen wäre. Nein, es sollte explizit ein Bracket 3 Turnier sein, was für viele ein Wiederspruch an sich ist. Entweder wir spielen Bracket 3, oder wir spielen ein Turnier. Beides zusammen funktioniert nicht so gut, oder? Um genau das herauszufinden, habe ich mich spontan dort angemeldet und will mit euch heute meine Erfahrungen teilen.

Mein Deck

Weil ich kein dediziertes Bracket 3 Deck besitze, habe ich mich dazu entschlossen, ein neues Deck für genau dieses Turnier zu bauen. Da ich mich sehr spontan dazu entschlossen habe teilzunehmen, hatte ich nur eine Woche für den Deckbau. Dabei war das größte Problem nicht das Deck an sich, sondern die Wahl des Commanders. Beziehungsweise die Wahl der Strategie. Von meinem Gefühl her wäre so ein Turnier der richtige Ort für leichte Stax Pieces und Hate Bears, die meine Gegner*innen verlangsamen. Darum war meine erste Wahl eine Bracket 3 Version meines cEDH Decks Ellivere of the Wild Court

Doch hier ist das Problem, dass mein cEDH Deck wie all meine cEDH Decks zu 100% aus Proxys besteht. Salty Cards ist aber ein WPN Store und hat deshalb für dieses Turnier Proxys ausgeschlossen. Ich habe also meine Sammlung nach passenden Karten durchsucht und den Ellivere Plan recht schnell wieder verworfen. Und weil ich jetzt komplett ohne Idee dastand, habe ich einmal die Frage in die Community gestellt, welchen Commander die einzelnen Personen auf so einem Event ins Feld führen würden. Das hat eine witzige Debatte entfesselt, in der es auch darum ging, wie sinnvoll so ein Bracket 3 Turnier eigentlich ist. Aber es wurden auch sehr viele gute Rat- und Vorschläge geteilt, die sich im Prinzip in zwei Lage aufteilen lassen: “Proaktiv” und “Reaktiv”.

Wer mich und meinen Content schon eine Weile kennt, wird wissen, dass ich vom Naturell eher ein reaktiver Spieler bin. Darum mag ich Blau als Farbe auch so gerne. Ich spiele am liebsten Instant Speed und versuche mich auf die Dinge einzustellen, die ich vom Rest des Tischs um die Ohren gehauen bekomme. Doch da ich die Meta absolut nicht einschätzen konnte war es vielleicht sinnvoll, ein proaktives Deck zu spielen. Also einfach ein Deck, dem tendenziell egal ist, was der Rest so treibt. Weil es die großen Fragen stellt, statt die Antworten zu haben. Ich habe dabei Cedric Phillips im Ohr, einen ehemaligen Pro Magic Spieler. Der sagte etwas in die Richtung: “If I could give my younger self one piece of advice: Don’t fool around, play something busted and proactive“. 

Ich have viele Varianten für mich erörtert und bin am Ende zu dem Schluss gekommen, dass ich auch Spaß an dem Deck haben soll, dass ich extra für dieses Turnier baue. Daher bin ich in meiner Komfortzone geblieben und habe ein reaktives Dimir Deck gebaut. Als Commander ist meine Wahl auf Alela, Cunning Conqueror gefallen und das hatte gleich mehrere Gründe. Zum einen hat sie die richtigen Farben für das, was ich mit dem Deck vor hatte. Zum zweiten wollte ich schon seit langem ein Feen Deck bauen, doch der Hipster in mir wurde von dem Precon aus Wilds of Eldrain davon abgeschreckt. In meiner Welt ist mittlerweile genug Zeit vergangen, um das Projekt wieder anzugehen. Und zu guter letzt ist das Deck in seinem Kern ein Token Deck, was kleine, fliegende Kreaturen produziert. Also alles, was ich liebe.

Ich habe sehr viel Zeit in den Deckbau gesteckt, habe mich immer wieder mit Menschen ausgetauscht und ihre Meinungen eingeholt. Ich habe sogar bis zur letzten Minute noch ein paar Änderungen vorgenommen, damit das Deck so gut wird, wie ich es aus meinem Kartenpool bauen konnte. Und die ersten Tests haben gezeigt, dass das Deck ziemlich gut performen kann. Also bin ich am vorletzten Samstag guter Dinge und etwas nervös nach Schleswig zu fahren. Um zu schauen, was man von einem Bracket 3 Turnier zu erwarten hat.

Das Turnier

Das Turnier sollte um 12 Uhr starten, doch wie eigentlich immer auf diesen Events gab es eine kleine Verzögerung. Einige Spieler*innen haben sich verspätet, andere mussten noch einmal umparken, weil sie sich am Standort nicht ausgekannt haben etc. Nach einer halben Stunde Wartezeit ging es dann aber auch los. Es wurde im sogenannten “Schweizer System” gespielt. Das bedeutet, dass man in verschiedenen Pods mit jeweils 4 Personen spielt und Punkte sammeln kann. Die Gewinner*in bekommt 5 Punkte, sollte es ein Unentschieden geben bekommen alle jeweils 1 Punkt und alle Verlierer*innen bekommen 0 Punkte. Es waren vier Runden angesetzt und am Ende gewinnt die Person mit den meisten Punkten.

Runde 1

Mein erster Pod sah wie folgt aus: Auf der Eins saß ich mit Alela. Hinter mir saß Jadzi, Oracle of Arcavios, danach kam Arabella, Abandoned Doll und auf der Vier saß Riku of Many Paths. Bis auf Arabella hatte ich keine Erfahrung mit den Decks, doch das war ja auch ein wenig der Punkt. Ich werde jetzt nicht auf alle Details des Spiels eingehen, weil es nicht nur sehr viel Arbeit ist, sondern auch wahrscheinlich uninteressant für meine Leser*innen.

Ich habe ziemlich früh ein paar Value Pieces in Form von Kreaturen aufs Board bekommen und sah dem Mid Game ziemlich entspannt entgegen. Jadzi hat gerampt und ein paar Cost-Reducer ala Baral, Chief of Compliance gespielt. Das sollte sich als ziemlich wichtig herausstellen. Arabella hat Arabella Dinge getan und ihr Board immer weiter aufgebaut. Und Riku hat leider sehr wenig gemacht, weil die Person eine Zwei-Land-Hand gehalten und bis Zug fünf kein weiteres Lang gezogen hat.

Dann kam Jadzi’s große Stunde. Das Deck ist nämlich um die Magecraft Fähigkeit aufgebaut, die es der Spieler*in erlaubt hat, einen ziemlichen Storm-Turn hinzulegen. Denn für jeden Spell, den sie auf den Stack gelegt hat, durfte sie die oberste Karte der Bibliothek anschauen und sie für ein generisches Mana casten. Baral hat dafür gesorgt, dass sie Instants und Sorceries umsonst spielen konnte. Es war Interaction von mir und von der Riku Spieler*in nötig, um Jadzi am Gewinnen zu hindern. Und das hat auch nur funktioniert, weil sie auch noch ein bisschen Pech mit ihren Flips hatte.

Am Ende dieses sehr gefährlichen Zugs hatte Jadzi aber nur noch eine Karte auf der Hand und das war der Commander, der von der Riku Spieler*in gebounced worden ist. Arabella hat daraufhin einen einseitigen Exil Board Wipe gespielt, der mir praktisch mein ganzes Board genommen hat. Doch ich hatte noch mein Reins of Power auf der Hand und damit zumindest noch die Chance auf den Sieg. Nach einem Angriff von Arabella, der Jadzi aus dem Spiel genommen und Riku auf einen Lebenspunkt gebracht hat, war ich am Zug. 

Ich habe Reins of Power gespielt, meine drei Token gegen das volle Arabella Board getauscht und wollte in den Angriff gehen. Doch dann hat Riku meine Arabella gebounced, was mir den Lifegain und damit die Chance auf den Sieg genommen hat. Es hat nicht verhindert, dass Riku das Spiel verliert, weil der Jacked Rabbit und Agate Instigator im Spiel waren. Doch es war, wie es war. Ich habe kein Leben dazu bekommen und bin in Arabellas nächsten Zug gestorben. Das war natürlich etwas ärgerlich, aber ich hab mich dazu entschlossen, da kein großes Ding draus zu machen. Es wurden kein Spite Plays verboten und die Riku Spieler*in hat anscheinend wirklich geglaubt, dass sie damit verhindert, das Spiel zu verlieren. Abhaken, nächstes Spiel.

Runde 2

Die zweite Runde stand für mich unter einem schwierigen Stern. Auf Platz 1 saß Mass of Mysteries, der zweite Commander aus dem neuen Lorewin Precon. Auf Platz zwei saß Doran, Besieged by Time, ebenfalls ein Commander aus Lorewin. Dann kam ich mit meiner Alela und auf dem vierten Platz saß Anikthea, Hand of Erebos. Das hieß, dass ich gegen drei sehr Board-basierte Decks angetreten bin, was für mein Deck ein Problem sein kann. Viele meiner Antworten sind Counterspells, die gar nichts bringen, wenn man von Kreaturen überrannt wird.


Doch wie im ersten Spiel haben effektiv nur drei Personen mitgespielt. Die Doran Spieler*in hat sehr viel Pech beim Mulligan gehabt und am Ende eine 5 Karten Hand mit nur einem Land gehalten. Und das zweit Land kam auch erst in Zug vier, das dritte in Zug sechs und so weiter. Doran hat versucht was er konnte, aber er hatte realistisch gesehen zu keinem Zeitpunkt eine Chance das Spiel zugewinnen.

Die Person mit der Mass of Mysteries war noch recht neu was Magic anging. Sie hat eine gute Starthand behalten, allerdings nicht darauf geachtet, dass sie auch Card Draw braucht, damit sie länger mitspielen kann. Sie war die ganze Zeit eine nicht zu unterschätzende Gefahr, denn durch ihren Commander hat sie schnell das Potenzial, viel Schaden zu verursachen. Doch auch sie ist nie richtig ins Spiel gekommen, was vor allem an Anikthea lag.

Denn Anikthea hat von Anfang an Board Police gespielt. Im ersten Zug wurde gleich eine Deafening Silence  gespielt, was den ganzen Tisch etwas ausgebremst hat. Ich war allerdings nicht böse diese Karte zu sehen, weil ich in jedem Zug einen Spell und nicht viele in einem Zug spielen möchte. Ich hatte selbst ein Arcane Laboratory auf der Hand, dass einen sehr ähnlichen Effekt hat. Doch mit der Silence auf dem Board musste ich das Laboratory nicht ausspielen und konnte mir mein Mana sparen. Doch das war auch die letzte Karte, die mir gut in den Kram gepasst hat.

Denn Anikthea hat sehr viel Removal in Form von Sagen gespielt, die sie mit der Fähigkeit des Commanders auch wieder aus dem Graveyard zurückholen konnte. Immer wenn ich mir eine gewisse Board Präsenz aufgebaut habe, wurden mir meine Key Pieces wieder entfernt. Das einzige, was Anikthea gefehlt hat, um das Spiel für sich zu entscheiden, war Card Draw. Diesen Draw konnte ich zum Glück in Schach halten, in dem ich die Draw Spells gecountert habe. Das Spiel ging insgesamt 12 Runden lang und dann sind wir in die Time gegangen. Es gab viel hin und her, hätte ich noch mehr Zeit gehabt, wäre vielleicht auch noch ein Sieg für mich möglich gewesen. Doch alles in allem war ich auch mit einem Draw zufrieden.


In die Time zu gehen hatte aber auch zur Folge, dass ich kaum Zeit hatte, mich zu erholen, bis die nächste Runde gestartet ist. Die Zeit hat gerade gereicht, dass ich kurz auf Klo gegangen bin und meine Wasserflasche wieder aufgefüllt habe. Und dann ging es auch direkt weiter im Text.

Runde 3

In Runde drei hat man einigen meiner Mitspieler*innen angemerkt, dass sie schon zwei anstrengende Spiele hinter sich haben. Denn es sind ein paar Dinge passiert, die wahrscheinlich in den ersten beiden Runden nicht so abgelaufen wären. Doch ich greife vor. Der Pod sah in Runde drei wie folgt aus: Ich saß mit Alela auf der Eins, auf der Zwei saß Nekusar, the Mindrazer, auf der Drei saß Patron of the Orochi  und auf der Vier saß Isshin, Two Heavens as One. Dieser Pod hat mir sehr viel besser gefallen, weil mein Deck viele Karten braucht, damit es gewinnen kann.  Mit Nekusar hatte ich einen Commander am Tisch, der mich auf jeden Fall mit Karten versorgte. Einzig Patron of the Orochi war mir ein echter Dorn im Auge, weil ich schlecht gegen große Ramp Decks aufgestellt war. Doch das sollte am Ende kein echtes Problem sein.

Die ersten Züge liefen genau so, wie ich es mir erhofft habe. Ich hatte meinen Commander im Spiel und meinen Card Draw online. Ich habe sogar so viele Karten gezogen, dass ich in Zug 5 einen Main Phase Orcish Bowmaster ausgespielt habe, weil ich keine Karte abwerfen wollte. Es gab keinen Removal am Tisch, Nekusar hatte im Zug vorher seinen Commander gespielt und nun eine Forced Fruition aufs Feld gelegt. Das ist eine super Karte für Nekusar, weil die Gegner*innen sehr viel Schaden bekommen, wenn sie einen Spell casten. Doch es ist auch eine super Karte, wenn eine der Gegner*innen Orcish Bowmaster  auf dem Feld hat.


Der Patron hat in seinem Zug einen Bane of Progress gespielt, der viel Set Up zerstört hat. Doch gegen den Bowmaster hat er damit nichts ausgerichtet. Ich habe also fröhlich alle Gegner*innen gepingt und eine riesige Ork-Armee bekommen. Mit der Armee konnte ich den Patron zwingen, mit seinem Bane zu blocken. Die Life Totals waren bei allen Gegner*innen unter 20 und ich selbst hatte noch 35 Lebenspunkte. Ich saß also ziemlich fest im Sattel, als Nekusar ein fataler Fehler unterlaufen ist. Er hat in seinem Zug nämlich einen Windfall gespielt. Damit hat er mir, dem Parton und Isshin natürlich jeweils sieben Schaden mit seinem Commander gemacht. Doch dadurch hatte ich auch 21 Bowmaster Trigger, die ich lustig verteilen konnte. 

Danach war das Spiel gelaufen. Ich hab zwar noch einen weiteren Zug gebraucht, bis ich das Spiel für mich entscheiden konnte, doch das Ende war abzusehen. Mein Board ist zwar dezimiert worden, doch das passte mir zu dem Zeitpunkt sehr gut in den Kram. Denn ich hab in meinem Zug wieder ein Reins of Power gespielt, mir das volle Board von Isshin ausgeliehen und den Sack zugemacht. Das Spiel war nach 40 Minuten und sieben Runden vorbei, was eine sehr schöne Abwechslung zum Spiel davor war.

Und es war ein guter Abschluss, denn private Gründe haben leider dafür gesorgt, dass dies mein letztes Spiel für diesen Tag gewesen ist. Ich hätte die letzte Runde wirklich gerne noch mitgenommen, aber das Leben hat einfach manchmal Vorrang. Hätte ich die letzte Runde noch gezockt, wäre vielleicht sogar die Top 8 drin gewesen. Dafür hätte ich aber das letzte Spiel noch gewinnen müssen.

Mein Fazit

Was habe ich jetzt aus diesem Turnier mitgenommen? Zuallererst war es ein riesiger Spaß. Selbst die Spiele, die ich nicht gewonnen habe, waren in meinen Augen gute Spiele. Mein Deck hat getan, wofür ich es gebaut hatte und das war großartig. Mein “Problem” mit cEDH ist, dass man dort eine feste Meta hat. Ich bin nicht gut genug im Brauen für cEDH um ein komplett eigenes Deck mit an den Start zu bringen und zu erwarten, dass ich da was reißen kann. Mit seiner eigenen Kreation an den Start zu gehen und gut abzuschneiden war eine tolle Erfahrung.


Außerdem waren die Menschen, mit denen ich gespielt habe, großartig. Es waren alles nette Personen und vielleicht wichtiger, alle wussten, worauf sie sich eingelassen haben. Alela ist kein nettes Deck und trotzdem war niemand salzig, wenn ich wichtige Spells gecountert habe. Es wurden zu einem sehr großen Teil nachvollziehbare Entscheidungen getroffen und trotz der ausgeschriebenen Preise waren die Spiele ernst, aber nicht schwitzig. Und das gilt, soweit ich das sagen, auch für die anderen Pods, die dort gespielt haben. Ich war sehr skeptisch, ob ein Turnier in Bracket 3 wirklich funktionieren kann. Doch mittlerweile bin ich überzeugt, dass es geht. Und wenn das nächste Turnier in zwei Wochen startet, werde ich wieder versuchen, dabei zu sein. 

Kommentare

  • Warum Lae'zel, wir sind doch ein Team? : edh.l.ove
    Antworten

    […] war letzten Samstag auf einem Bracket 3 Turnier. Es war mein zweites Turnier dieser Art und ich hatte wieder eine Menge Spaß. Das heißt, ich hatte zu einem großen Teil viel […]

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